Enquete Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt

Öffentliche Anhörung “Finanzierung der beruflichen Weiterbildung“

Die Finanzierung der beruflichen Weiterbildung war das große Thema der Enquete-Sitzung vom 14. September 2020. Es waren drei Sachverständige geladen: Thomas Friedrich (Bereichsleiter Produktentwicklung und Förderinstrumente, Bundesagentur für Arbeit), Dr. Andreas Ogrinz (Geschäftsführer Bildung, Innovation, Nachhaltigkeit beim Bundesarbeitgeberverband Chemie) sowie Prof. Dr. Gerhard Bosch (Institut für Arbeit und Qualifikation, Universität Duisburg-Essen).

Stichwortartig seien die Thesen der Experten skizziert. Herr Friedrich stellte fest: Es gibt ausreichend Geld für die berufliche Weiterbildung, Motivation spielt eine große Rolle, Weiterbildungsfähigkeit stärken ist wichtig (durch Anreize wie Bonuszahlungen etc.); Flexibilisierung des Verkürzungsgebots; die bessere Vernetzung aller Akteure und die Weiterbildung nimmt auch bei den Beschäftigten im Sinne der Beschäftigungsförderung eine immer größere Bedeutung ein etc.

Herr Ogrinz betonte: Weiterbildung muss eng an den betrieblichen Erfordernissen (Branchenebenen) orientiert sein. 2019 startete die Chemieindustrie eine Qualifizierungsoffensive (Elemente: Trendanalyse bezüglich jetziger und zukünftiger Kompetenzen; internationale Orientierung; Instrument, um Qualifikationsstruktur im Unternehmen besser abzubilden, Ableitung konkreter Maßnahmen daraus; branchenspezifische Beratung bei der Weiterbildung für Beschäftigte und Unternehmen). Die Offensive startet allerdings erstmal in drei Pilotregionen bevor eine flächendeckende Implementierung erfolgen kann, so Ogrinz.

Der Tenor von Prof. Bosch: Er fordert ein stimmiges Gesamtsystem im Weiterbildungsbereich und nicht eine Ansammlung von Einzelvorschlägen; die Vielfalt an Reformvorschlägen ist groß: Erweiterung der Arbeitslosen- zu einer Arbeitsversicherung, Erwachsenen-BAföG, Weiterbildungsfonds etc. Überschneidungen von Förderungen und zu viel Bürokratie stellen eine Gefahr da, daher sollte nicht alles zugleich eingeführt werden; zu hohe Kosten sowie Intransparenz wären die Folge. Eine Forderung von Bosch ist es, die Arbeitsmarktpolitik und das BaföG in Kombination mit dem Aufstiegs-BaföG zu stärken. Das individuelle lebenslange Lernen könne so gefördert werden, der Bekanntheitsgrad der Systeme ist groß, die sinnvolle und klare Arbeitsteilung dieser Systeme sei ein weiterer wichtiger Punkt. Wichtig sei dabei auch, meinte Bosch, die Altersgrenzen-Diskriminierung zu beseitigen sowie eine Erweiterung der Förderzwecke vorzunehmen. Er fordert auch ein Recht auf Freistellung für Weiterbildung.

Im Nachgang der Inputs stellten auch unsere AfD-Enquete-Mitglieder Fragen und hakten nach. So wurden Aspekte der Internationalität der Weiterbildung erörtert oder bei zentralen Kulturtechniken (Schreiben, Rechnen, Lesen, Mathematik etc.) nach einheitlichen Standards gefragt. Auch wollte man wissen, welche Gebiete zur gesamten Weiterbildung zählen (z. B. auch ein Theaterkurs). Auch der wichtige Punkt der Evaluation der Weiterbildungsprogramme und -anbieter wurde thematisiert. Die Weiterbildungsbereitschaft (bei Höherqualifizierten ist sie höher), der betriebliche Anteil an der Finanzierung von Weiterbildung etc. wurden ebenfalls erörtert. Die Antworten der Experten und vieles mehr, können Sie wie immer auf der Bundestagshomepage nachvollziehen:

https://www.bundestag.de/ausschuesse/weitere_gremien/enquete_bb