Kurzbericht zur Enquete-Sitzung am 29. Juni 2020

Am 29. Juni 2020 fand die 24. Sitzung der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ statt; auch unter reger Beteiligung der AfD-Fraktion. Ein Schwerpunkt der Sitzung bildete die Präsentation der Ergebnisse der Online-Beteiligung „Zukunftsdialog Ausbildung“ durch die Agentur Zebralog, die die Befragung ausgerichtet hatte, mit Aussagen von Schülern sowie Auszubildenden. Sechs ausgewählte Schüler und Azubis, die an der Befragung teilgenommen hatten, waren zur Web-Konferenz geladen und gaben rege Auskunft zu den einzelnen Themenschwerpunkten des Online-Dialogs. Im Anschluss daran befragten Abgeordnete und Sachverständige aller Fraktionen die geladenen Gäste. Herr Seifen, AfD-Landtagsfraktion (NRW) und jahrzehntelang Schulleiter eines Gymnasiums, stellte interessante Fragen an die Teilnehmer, ebenso der Sachverständige Prof. Giezek. Sie können die gesamte Web-Sitzung wieder auf der Homepage (unter Ausschüsse, Gremien, Enquete Berufliche Bildung) aufrufen und alles nochmal im Detail mitverfolgen.

Sinn und Zweck der Online-Befragung waren, die Perspektiven und Haltung junger Menschen, die vor der Berufswahl stehen, kennenzulernen. Die Ergebnisse fließen in die Kommissionsarbeit mit ein. Auf der Dialogplattform www.zukunftsdialog-ausbildung.de konnten rund vier Wochen lang in sechs Dialogräumen (Lernformen, Bildungsinhalte, Chancen und Risiken der digitalen Berufswelt etc.) Erfahrungen, Meinungen, Ideen sowie weitere Kommentare zur Ausbildungsentwicklung eingebracht werden. Matthias Trénel von der Agentur Zebralog stellte die Ergebnisse vor und leitete die Präsentation. Bei der Geschlechter- und Altersstruktur wurde eine ausgeglichene Beteiligung konstatiert. Nur zwischen den Bundesländern gab es beträchtliche Unterschiede. Schwerpunkt der Beiträge war, wie Praxiserfahrung vor der Berufswahl gesammelt werden kann. Es kristallisierte sich heraus, dass die Zahl der Praktika als insgesamt zu gering erachtet wird. Wissen über Berufe müsse generell mehr in den Schulen vermittelt werden, meinten viele Teilnehmer. Einblicke in den beruflichen Alltag und verschiedene Branchen, Berichte von Berufstätigen in der Schule waren den Schülern zur Berufsorientierung wichtig. Letzteres sollte quantitativ noch gesteigert werden. Auch die Bedeutung von Berufsmessen wurde seitens der Gäste unterstrichen, aber auch Probleme, die sich teils durchs Wohnen in ländlichen Regionen ergeben können (Distanzen etc.). In der OnlineBefragung war prinzipiell eine „Lust auf digitale Bildungswelten“ zu verspüren; allerdings wurde ein Mangel an digitalen Lernmethoden und mangelhafter Ausstattung vieler Schulen festgestellt. Auch monierten viele Teilnehmer das teilweise Fehlen digitaler Kompetenzen beim Lehrpersonal. Lebenslanges Lernen, flexible Arbeitswelten wurden weitgehend positiv gewertet. Aber auch die verstärkte Vermittlung von Alltagswissen aus der Praxis wünschen viele junge Menschen. Weitere wichtig Aspekte können Sie der Videoaufzeichnung und diversen Dokumenten entnehmen.

Rund ein Drittel der Tagungszeit war dem Thema „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Berufliche Bildung“ gewidmet. Von Arbeitgeberseite (Martin Seiler, Vorstand Personal und Recht Deutsche Bahn AG), den Berufsschulen (Carlo Dirschedl, Berufliche Schulen Altötting, Dr. Sandra Garbade HIBB, Hamburg; wertvolles Material lieferte hierzu unter anderem auch unser Sachverständiger Helmut Seifen), den Kammern (Dr. Volker Born, ZDH, Dr. Achim Dercks DIHK), den Gewerkschaften (Elke Hannack, DGB) und der Wissenschaft (Prof. Dr. Detlef Buschfeld, Institut für Berufs-, Wirtschafts- und Sozialpädagogik, Universität Köln) wurden wertvolle Beiträge geliefert, die das Thema aus allen Blickwinkeln heraus beleuchten. An allen Inputs hatten sich im Vorfeld auch noch andere Sachverständige beteiligt. Stichworte zur Gesamtthematik bildeten hier unter anderem der Rückgang des Ausbildungsengagements, der Ausfall vieler Berufsmessen, die große Verunsicherung in vielen Betrieben, die rückgängige Zahl an Ausbildungsverträgen sowie die Gefahr der Zunahme sozialer Ungleichheit auf dem Ausbildungsmarkt. In einer folgenden Kurzrunde befragten Abgeordnete und auch unsere Experten die Input-Geber. So betonte unser AfD-Abgeordneter Uwe Schulz sehr deutlich die Versäumnisse der letzten Jahre.